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Auf Schatzsuche rund um Obermichelbach

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NN/FLAND/STADT/STADT3   – Fr 09.09.2011 – LANDKREIS
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Mehrere hundert Verstecke für das immer beliebter werdende Geocaching existieren im Landkreis Fürth

 

VON FLORIAN BURGHARDT
Schnitzeljagd war gestern, heute geht man Geocachen. Bewaffnet mit GPS-Empfänger und Koordinaten begab sich im Rahmen des Langenzenner Ferienprogramms eine Gruppe junger Abenteurer auf Schatzsuche. Sie durchkämmten dabei das Waldgebiet um Obermichelbach.
FÜRTH Land — „32 Grad nördlich und 10 Grad östlich, wir müssen also halb rechts, wenn wir den Schatz finden wollen.“ Es klingt wie ein Zitat aus einem Abenteuerfilm, doch weder Pirat Jack Sparrow noch Indiana Jones sagen das, sondern Anna und Linda. Die Kapuzen haben sich die elf und zwölf Jahre alten Mädchen tief ins Gesicht gezogen, damit es ihnen nicht in den Kragen regnet. Immer wieder müssen sie mit der Hand die dicken Tropfen vom Display des GPS-Empfängers wischen, um zu erkennen, wohin sie der digitale Kompass führt. Nur noch 20 Meter sind es laut dem Gerät bis zu „Waschbärs Krimi-Kiste“. Jetzt heißt es: Augen auf und suchen!
Geocaching nennt sich das Spiel, das die beiden jungen Schülerinnen so in seinen Bann gezogen hat. Normalerweise würden sie bei strömendem Regen und kühlen 16 Grad jeden schief anschauen, der sie zu einer Expedition ins Freie bittet. Aber heute ist das anders.
„Allein in diesem kleinen Waldstück sind 17 Schätze versteckt, im Fürther Landkreis sind es sogar mehrere hundert“, erklärt Carmen Adler (35). Die Sozialpädagogin, die seit zwölf Jahren im Jugendzentrum Alte Post in Langenzenn arbeitet, geht auch privat gern auf Schatzsuche. In den offiziellen Internetforen der Geocaching-Gemeinschaft besorgt sie sich die Koordinaten der Caches, wie die Geocacher ihre versteckten Geheimnisse nennen. Mithilfe eines tragbaren GPS-Empfängers lässt sich die Lage des Schatzes dann bis auf wenige Meter genau orten.
Vor elf Jahren geboren
Doch das war nicht immer so. Bis zum Jahr 2000 war die GPS-Technologie, also die exakte Ortung von Koordinaten per Satellit dem Militär vorbehalten. Für private Nutzer wurden die Signale absichtlich gestört, weil man den Missbrauch fürchtete. Als dann vor rund elf Jahren die Genauigkeit der Anzeigen erhöht wurde, dauerte es nur wenige Tage bis das Spiel Geocaching geboren war und die ersten Schatzsucher zu den damals noch wenigen Verstecken pilgerten.
Heute begeben sich in Deutschland jährlich rund 30000 Menschen auf die Jagd nach einem Cache. Einen typischen Geocacher gibt es dabei nicht. So gibt es Verstecke in der Fränkischen Schweiz, die eher etwas für geübte Kletterer sind, aber auch Schätze für Familien, die den Sonntagnachmittag-Spaziergang einmal etwas aufregender gestalten möchten.
Und übertrieben teuer ist das Vergnügen auch nicht. „Die Koordinaten für die Schatzsuche gibt es kostenlos im Internet und ein taugliches GPS-Gerät ist schon ab etwa 50 Euro zu haben“, so Hobbycacherin Carmen Adler.
Mit solchen Empfängern ausgestattet ist die kleine Expeditionsgruppe der Alten Post nun auch drauf und dran, „Waschbärs Krimikiste“ zu heben. Seinen Namen bekommt der Cache vom ursprünglichen Verstecker, wodurch sich meistens auch ein wenig auf dessen Inhalt schließen lässt.
Und siehe da: Anna und Linda haben Spürsinn bewiesen. Ein unnatürlich wirkender Berg Laub hat ihre Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Darunter, abgedeckt mit einer Holzplatte, liegt sie: „Waschbärs Krimikiste“. In einer wasserdichten Tupperbox finden die Kinder alte Hitchcock- und Agatha Christie-Krimis und natürlich das Logbuch.
„So ein Logbuch liegt jedem Cache bei“, erklärt Max (12), der bereits vergangenes Jahr beim Geocaching der Alten Post dabei war. „Der Finder trägt sich darin ein, ehe er den Cache tauscht und ihn wieder eingräbt.“ Denn auch das gehört zum Geocaching. Entnimmt man den ganzen oder einen Teil des Schatzes, muss man etwas gleichen Wertes zurücklegen. Die Kinder aber wollen die Krimikiste unverändert lassen, damit auch der nächste Suchtrupp wieder Spass an ihr haben kann.
Ob die Alte Post auch nächstes Jahr ein Team von Geocachern auf die Jagd nach verborgenen Schätzen schicken wird steht noch in den Sternen. Denn Carmen Adler tritt nach zwölf Jahren Jugendarbeit in Langenzenn eine neue Stelle an. Der großen Begeisterung aller Teilnehmer nach zu urteilen, werden die es aber wohl sowieso nicht bis nächstes Jahr aushalten. Schließlich warten im Fürther Land noch etliche Schätze darauf gefunden zu werden.

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